Radtour Slowakei-Tschechien 2004


Die Auswahl eines Radreiseziels kann manchmal etwas merkwürdig vonstatten gehen. Eigentlich wollte ich dieses Jahr Schottland bereisen, da ich jedoch nicht fliegen wollte und die Anreise per Bahn zu den Fährhäfen in den Niederlanden mit dreimaligen Umsteigen verbunden war, nahm ich davon wieder Abstand. Da mir die recht guten Zugverbindungen nach Wien per Nachtzug bekannt waren, kam ich recht schnell auf die Slowakei als Reiseziel und hier als Etappenpunkt insbesondere die Hohe Tatra - jenes kleine Hochgebirge an der Grenze zwischen der Slowakei und Polen. Des weiteren wollte ich danach Tschechien besuchen und über den Elberadweg nach Deutschland zurückkehren.Als Reiseliteratur besorgte ich mir einen alten Radreiseführer über die Tschechoslowakei von 1993 aus dem Cyklos-Verlag (Autor H. Lindenberg) sowie einen etwas Aktuelleren von 1997 vom gleichen Autor und Verlag über Tschechien. Als Kartenmaterial entschied ich mich für Shell Generalkarte im Maßstab 1:200000 ( 2x Grossblatt Tschechien, 1x Doppelblatt Slowakei) die einen recht genauen Eindruck auf mich machte, speziell bei den exzellent eingezeichneten Ortsdurchfahrten die jeweils kleinen Stadtplänen ähneln. Nachteilig bei der Karte sind nur die wenigen eingezeichneten Campingplätze, weshalb ich mir aus dem Internet noch Verzeichnisse besorgte. Für die Rückfahrt nahm ich dann noch meinen Elberadwegführer von Bikeline mit.

Die Anfahrt über Halle nach Wien gestaltete sich recht angenehm da ich genug Zeit zum Umsteigen einkalkuliert hatte. In Wien startete ich dann direkt vom Bahnhof und da ich die Stadt bereits im Zuge einer Inn-Donau-Radweg-Tour kennengelernt hatte, fand ich auch recht schnell den Weg hinaus. Entlang des Donauradweges ging es dann Richtung Bratislava. Die Strecke führte hier die meiste Zeit auf einem Dammweg, während einer Pause begegnete ich noch einem Holländischen Liegeradler der gerade auf dem Rückweg von einer Rumänien-Ukraine-Tour war.An der Grenze zur Slowakei wurde ich von den Grenzern an den Autoschlangen vorbeigewunken und nachdem man sich ausgiebig über mein Gefährt auf slowakisch Amüsiert hatte, konnte ich auch gleich weiterfahren.Bratislava durchquerte ich recht zügig, um meinen vorgesehenen Campingplatz in der "slowakischen Puzta" nahe Senec noch zeitig zu erreichen. ich befuhr hier Schnellstraßen die in Deutschland für Fahrräder für gewöhnlich gesperrt sind. In der Slowakei sind diese jedoch mit einem breiten Seitenstreifen ausgestattet. Bei den zahlreichen slowakischen Alltagsradlern werden diese auch ausgiebig benutzt.Hinter Bratislava führte mich mein Weg über wenig befahrene Alleen durch die slowakische Tiefebene. In Senec bezog ich meinen ersten Campingplatz, der einem Hotel angeschlossen war.

Fahradabteil im EuroNight

 

Start in Wien

 

Die Donau hinter Wien

 

Am nächsten Tag radelte ich zunächst nach Trnava einer Kleinstadt deren Altes Zentrum noch von einer nahezu erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer umgeben ist. Hinter Trnava wurde das Terrain Hügeliger, das kleine Kettenblatt kam zu seinem Recht. Mein Ziel war der Campingplatz nahe Jelenec, der mitten in Wald gelegen und von zahlreichen Wanderwege umgeben sein soll.Leider konnte ich den Platz trotz intensiver Suche nicht finden, statt dessen erschien mir die Göttin Fortuna in Gestalt der gleichnamigen Pension.

Pause an der Stadtmauer von Trnava

 

 

"Glück muß man eben haben"

 

Auf dem Weg nach Levice

 


Die Inhaber konnten zwar weder Englisch noch Deutsch, hatten dafür aber ein antikes Deutsches Wörterbuch und waren Super nett.Die dritte Etappe brachte mich schließlich zu den Anfängen des Slowakischen Erzgebirge nach Levice. Dieses Gebirge ist vergleichbar mit dem Harz mit Höhen um die 1000 Meter. Die Strecke führte mich auf eine wenig befahrene Landstraße die beständig, aber noch gut fahrbar, Anstieg und schon recht bald zu beiden Seiten von dichten Wäldern begleitet wurde.Nach einigen recht heftigen Steigungen kurz vor erreichen der Passhöhe (750mtr) ging es schließlich wieder hinab direkt in das Herz diese Mittelgebirge: Bansca Stiavinica.Die alte Bergwerksstadt wurde im 12.Jahrhundert von deutschen Bergleuten gegründet. Nachdem ich die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte Altstadt per Fahrrad erkundet hatte, was ob der recht steilen Wege mit reichlich Arbeit verbunden war, mußte ich dann nur noch einmal eine starke Steigung bestehen.Der zweite Teil der Etappe bestand dann aus einer langen Abfahrt entlang des Bergflüsschens "Jasenica". Schließlich noch ein kurzes Stück auf der Autobahn ähnlich ausgebauten E57, bis ich dann den Zeltplatz südlich von Zvolen erreichte. (ganz nett, mit vielen Bäumen und einem fließend Deutsch parlierenden Besitzer). Auf der nächsten Etappe Richtung Brezno merkte ich recht schnell, das ich mir bei den Steigungen im Erzgebirge ein Malheur am Knie zugezogen hatte. Während der ganzen Etappe begleiteten mich heftige Knieschmerzen und ich spielte bereits mit dem Gedanken die Tour aufzugeben.

Auf dem Weg nach Zvolen

 

SMS-Pause am Slowakischen Erzgebirge

 

Slowakisches Erzgebirge

 

Banska Stiavnica

 

Morgens auf dem Campingplatz vor Zvolen

 

Brezno

 

Am nächsten Tag entschied ich mich trotz der immer noch nicht abgeklungenen Schmerzen zumindest eine kleine Etappe von 50km zu fahren. So ging es dann durch das Tal des Flusses Hron nach Telgart, ein Wintersportort südlich der Niederen Tatra. Die Niedere Tatra ist ein der Hohen Tatra vorgelagertes Gebirge, das mit seinen nur um die 1500 Meter hohen Gipfeln nicht in die sommerliche Schneegrenze hineinreicht und selbige somit Grün sind.Nachdem ich mich ob des halben Tages Pause gut auskuriert hatte fuhr ich morgens mit Vorfreude auf die Hohe Tatra wieder frohen Mutes auf Piste.Hinter Telgart begann das Naturschutzgebiet "Slowakisches Paradies" und eine schmale kurvige Straße führte mich direkt hindurch. Nach überwinden einer kleinen Straße die über den Berg Kopanec führte erreiche ich schließlich die andere Seite der Niederen Tatra. Die ersten Ausblicke auf die Schneebedeckten Gipfel der Hohen Tatra wirken jetzt wie ein Magnet und das Radeln ging wie von alleine.

Auf dem Weg nach Telgart - Niedere Tatra

 

Blick zurück ins Hron-Tal

 

Slowakische Paradies

Kurs Hohe Tatra

 

Schon bald konnte ich das ganze Panorama dieses kleinen Hochgebirges genießen, das mit dem richtigen Abstand komplett betrachtet werden kann.Die spitzen Schnee- und Eis bedeckten Zacken vor grünen und gelben Landwirtschaftlichen Flächen, das ganze umkränzt von Gewitterwolken: Ein mystischer Anblick.Je näher ich dem Gebirge kam, um so mehr versperrte dichter Hochwald die Aussicht. Als ich schließlich die "Panoramastraße" entlang der Gebirgslinie erreichte, lugte nur noch hier und da ein Gipfel zwischen den Bäumen hervor.In Tatranska Lominica entschied ich mich aufgrund der Gewitterneigung gegen den Zeltplatz, obwohl selbiger einen recht guten Eindruck machte. Statt dessen entschied ich mich für eines der zahlreichen Hotels in dem Touristenort. Der nächste Tag brachte dann andauernde und recht heftige Regenschauer die von den am Gebirge gestauten Wolken gespeist wen.So konnte ich endlich wieder meine Regenhose herausholen, die auch schon ganz traurig war weil sie sich die ganze Zeit in der Tasche verstecken mußte.

 

 

Hohe Tatra

 

..und nocheinmal weil es so schön ist..

 

Entlang des Gebirges ging es dann stetig bergauf bis bei Strepka Pleso mit 1250mtr das Etappenzenit erreicht wurde. Hier lichtete sich der Wald und gab einen Blick auf die Berggipfel aus nächster Nähe preis. Praktischer Weise machte auch der Regen eine Pause, so das ich ungestört Fotografieren konnte. Nach Strepka Pleso ging es dann abwärts Richtung Waagtal.

Panoramastrasse Hohe Tatra

 

Strypka Pleso

 

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